| soundofsirens-interview |
| ••Dienstag•, den 13. •Juli• 2010 um 18:26 Uhr• |
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von 2008 Kopiert mit Genehmigung von soundofsirens.net - das portal ist nicht mehr online:
Augenscheinlich ein koffeinhaltiges Getränk, sowie ein kommerzielles Produkt. Jedoch steckt hinter der schwarzen Brause ein um Nachhaltigkeit und Fairness bemühtes Kollektiv mit Ideologien, Meinungen und charmant-eigensinniger Sturheit. Premium als Konzept? Wir haben nachgefragt und Uwe Lübbermann, einen Initiator des Projektes zu Wort gebeten.Das Interview entstand Ende Januar / Anfang Februar 2008 und wurde als eMail-Dialog geführt. Viel Spass!
Geschichte, Kraft, Geschmack, Aufrichtigkeit, Konsequenz, Leben.
einen businessplan gab es nicht, weil premium kein business sein sollte; die cola am leben halten und möglichst moralisch sauber steuern, das war der kern. als eine art kodex haben wir damals sechs begriffe definiert: geschichte, kraft, geschmack, aufrichtigkeit, konsequenz, leben. klingt irgendwie gestelzt, hat aber besonders zu anfang gut geholfen - bei vielen streitfragen musste man zb nur eben gucken, was die aufrichtigste oder konsequenteste lösung wäre ...
maximale transparenz ist eine voraussetzung, bei uns können zb alle kunden auch auf das bankkonto gucken - sonst kann sich ja keiner eine fundierte meinung bilden. nicht zuletzt ist etwas masochismus ganz hilfreich, wenn zb auch der anteil des "chefs" von allen beteiligten mitbestimmt wird. dadurch entsteht aber zugleich der gewollte zwang, alle beteiligten fair zu behandeln. stabilisierend ist lustigerweise auch, dass wir keine schriftlichen verträge und keine bindungen haben; so könnte jeder raus der wollte, weshalb man alle wiederum fair behandeln muss ... es kann sein, dass so organisierte kollektive strukturen nur bis zu einer gewissen größe funktionieren. das hängt natürlich von den leuten ab die sie organisieren, und wir loten eben aus wie groß das ganze geht. momentan sind es 145 leute in 54 städten, und mir persönlich scheint der diskussionsaufwand immer geringer zu werden. wenn die basics erstmal definiert sind, ist das ja auch kein wunder. natürlich ist nicht alles gold was glänzt, auch wir haben probleme, aber den big playern kann ich nur sagen: machts, kollektives und moralisches wirtschaften lohnt sich. übrigens auch finanziell, das ist noch ein beweis den premium antreten will, mittlerweile. reich werden wir wohl nie damit, aber eine stabile struktur mit dauerhaften lieferwegen und lauter zufriedenen leuten lässt sich mit relativ wenig aufwand in betrieb halten. und entscheidungen, bei denen alle beteiligten mitbestimmt haben, sind in der regel sehr stabil -> planbar, tragfähig, kostengünstig. das mal so als anreiz für "normal" denkende unternehmen :)
Korrekter Mainstreambekanntheit und verkaufszahlen steigen zwar, aber überrollen kann uns das ganze nicht, dafür stehen wir bewusst auf der bremse. es hat zb gerade ein halbes jahr gedauert, bis ein zweiter händler in köln einsteigen konnte, weil wir dem ersten nicht einfach einen mitbewerber vor die nase setzen wollten. gut, das ist ein extremfall, sonst sind wir schneller - aber hetzen lassen wir uns garantiert nicht: lieber langsam und richtig als schnell und verkehrt. zu schnelles wachstum wird schon durch unsere großteils untätigen sprecher = außendienstler verhindert :) was du mit mainstream meinst, wäre zb der einstieg bei budni, der von ihrer ersten anfrage im februar 07 bis jetzt gedauert hat. das lag unter anderem daran dass wir erst nein gesagt und ich die mail von denen verloren hatte, dann aber vor allem daran dass wirs gut machen wollten: vorhandene händler schützen, nicht abhängig werden und so weiter. budni hat bei allem mitgespielt und geht sogar den spaß mit, einen runden preis von 1 euro anstatt dem üblichen schwellenpreis zu machen. auch deswegen wagen wir den schritt - und sehen das zugleich als chance, mal ein paar andere leute mit unseren ideen von moralischem wirtschaften zu erreichen. ich persönlich glaube, dass größe kein pauschaler fehler ist, auf das wie kommt es an. solange man sich auch weiterhin für das gesamte netzwerk verantwortlich fühlt, ist es nur eine frage der organisation. schriftliche verträge: ich würde keinen kunden behalten wollen, der nur dabeibleibt weil ein zettel das von ihm verlangt. natürlich gehen die beteiligten verpflichtungen ein, zb liefern und rechnungen bezahlen, aber das geht (zumindest bisher) alles ohne juristisches beiwerk. ist ein vertrag denn immer ein plus an sicherheit? wenn jemand einen will, würden wir einen machen. aber dann reicht im prinzip auch eine mail, oder sogar nur konkludentes handeln, schon ists rechtlich gültig und damit im zweifel einklagbar ... aber wer will das schon? ich habe den eindruck, dass die allermeisten leute nach gesundem menschenverstand handeln, erst recht wenn man ihnen nicht mit verträgen auf die nerven geht. und mit den anderen arbeitet man halt nicht zusammen, fertig.
je größer premium wird, desto mehr kräfte sind das, dahin geht auf jeden fall die reise. ausbilden würde ich auch gerne, das geht aber erst ab einer gewissen größe. in gewisser weise nehmen wir uns dabei raus, mit dem geld der kunden rumzuhampeln, andererseits haben sie es gerade uns dafür gegeben. und damit weder werbung, vorstandsmillionen oder neuwagen mitfinanziert. geld ist ein gestaltungsmittel, sag ich immer gerne - je mehr davon reinkommt, desto mehr gutes können wir damit machen. inaktive sprecher verzichten zb schon jetzt auf ihren lohn und spenden ihn lieber, was uns zwar dasselbe kostet, aber immerhin ziele wie AWO, K4, radioX, AZ aachen, spontane kinderhilfe und die rote hilfe unterstützt. aber da wir meistens auf der bremse stehen, wird größe evtl eher mit hilfe anderer premium-produkte erreicht, wenn sie jemand macht.
"Premium" als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabewir meinen das schon ernst und haben daher auch mal öffentlich gesagt, dass jeder der ein produkt nach premium-prinzipien macht es auch so nennen darf, inklusive der von uns geschützten gestaltung - die nutzung sollte kostenlos sein, der einführungsaufwand eines premium-systems könnte was kosten weil das arbeit ist, müsste im einzelfall abgeklärt werden. wie bei linux eben, das ist ein modell. im kern gehts uns darum dass sich andere unternehmen was abgucken, machen schon einige, aber es könnte mehr sein damit die wirtschaftswelt ein bißchen besser wird. vor einem jahr ist uns übrigens erst klargeworden, dass unser eigentliches produkt keine cola ist, sondern eine ideologie. damit die bekannter wird und das unternehmen premium auf mehreren beinen steht, sollte es noch weitere produkte geben - entweder von "externen" (wobei in der heutigen wirtschaftswelt eigentlich niemand extern ist) oder von leuten die schon jetzt bei premium mitmachen. ich baue an zb einem hardcore-soliden notebookrucksack bei dem der schneider den größten teil des kaufpreises bekommt. außerdem plane ich schon länger an einem premium-bier, das nicht große teile des umsatzes für freiware, werbekostenzuschüsse, listungsgebühren und was weiß ich noch alles verballert - der biermarkt ist da nämlich noch kaputter als der softdrinkmarkt. andererseits sind manche gastronomen auf diese gelder angewiesen, deswegen ist nur unsere cola schwarzweiß, aber keine meinung :-) bei dem bier sollte jedenfalls ein fester anteil je flasche für alkoholiker-prophylaxe verwendet werden - denn ein teil unserer kunden könnte süchtig sein, deren geld will ich nicht haben. normale hersteller kümmern sich nicht darum, dass sie zum teil von alkoholkranken profitieren, das geht eigentlich nicht klar. aus dem kollektiv kommt aber die berechtigte kritik, dass es schon hunderte biere gibt und man nicht noch eins braucht, für dessen transport diesel verbrannt und die luft verpestet wird. regionale lösungen wären eine schöne idee, aber dafür müsste man auch regional zuverlässige leute haben ... keine ahnung wie wir das machen, aber so oder so müssen wir mal ein handbuch für das open franchise schreiben, wenn mal dafür zeit ist, haha ...
jedenfalls: die leute muss man natürlich vor dem start besuchen und gucken, ob sie ideologisch ins bild passen und einen guten geschmack für läden haben. es melden sich fast nur passende leute und läden, abgelehnt haben wir nur einen oder zwei - man könnte auch sagen, premium ist sehr scharfkantig positioniert, oder so :-) die leute brauchen natürlich auch eine muster-kiste, dann können sie im prinzip starten. gefühlte 90 % der leute tun das aber nicht, sondern bleiben still und machen nix. dadurch entsteht zwar kaum schaden außer zeit, reisekosten und der kiste, schade ists trotzdem. Lieferstruktur mit festen Preisen und Kundenschutz.der rest geht los, überzeugt ein paar läden und findet heraus über welchen getränkehändler man die beliefern kann. mit dem rede dann meistens ich und bastele die lieferstruktur im hintergrund, manche sprecher machen das aber auch bewusst selbst - es gibt zb einen händler für magdeburg, mit dem wir seit jahren arbeiten und den ich noch nicht kennengelernt habe, weil es terminlich nie passte. die meisten kenne ich aber schon selbst, das ist mir auch wichtig, denn der händler ist eine wesentliche schnittstelle und muss bei uns auch ein paar sachen wie zb feste preise und kundenschutz der anderen händler einhalten. jedenfalls: wenn die struktur steht, muss man sie im prinzip "nur" noch am laufen halten, was natürlich in der summe doch eine menge arbeit werden kann. ich studiere ja parallel und hab noch einen brotjob, also ists immer eine frage der organisation - das triffts eigentlich am besten. wir haben speziell in den letzten monaten einiges umgebaut: es gibt einen zwei meter großen japaner der sich um abfüllmengen und die buchhaltung kümmert, eine frankfurterin die sachen nachverfolgt wie zb fehlende spendenquittungen oder aktuell das informieren der händler damit sie die preissenkung zum gastronomen durchreichen, einen kollegen in münchen der die etiketten-druckvorlagen macht und so weiter. dieses modell ist theoretisch noch ziemlich weit skalierbar, solange die leute ihren job zuverlässig machen kann man so völlig ortsunabhängig viel geregelt kriegen - wenns was neues gibt, würden wir halt im verteiler fragen wer bock hat. generell kann man sagen dass ich sowas wie die zentrale schaltstelle bin, wogegen ich mich einige jahre lang ziemlich gewehrt habe, hab halt immer noch an kollektives arbeiten geglaubt ... teilweise gibt es das zwar auch, aber eben nur teilweise - das kollektiv entscheidet alles mit, aber sachen machen und vor allem dinge anstoßen muss tendenziell eher ich. andererseits gefällt mir das auch, so ein netzwerk am brummen halten, und ab einer gewissen komplexität ist es auch für langjährige mitleser nicht mehr so einfach durchzublicken. leider, denn durchblick ist ja zum mitentscheiden nötig - da braucht man viel disziplin, um teilweise immer wieder das gleiche zu erklären oder auch völlig klare themen ausgiebig im verteiler zu moderieren. nur so gehts aber, es kommt fast immer mehr dabei raus als ich alleine könnte, also ist das schon alles cool. beim thema verantwortung müsste ich sicher noch entspannter werden und zb nicht immer rechnungen am tag des eingangs überweisen, damit bloß niemand auf geld wartet ... und drei computer sind sicher auch einer zuviel, aber man weiß ja nie, oder so.
ob ich dir raten würde, sowas auch zu machen? mir hat premium sehr viel gegeben was das verstehen von wirtschaft und hintergründen angeht, und damit auch fürs studium. ich hab eine menge guter leute kennengelernt von denen einige auch gute freunde geworden sind. wir haben eine liste der premium-läden, sodass in vielen städten gute adressen bereitstehen, und ein schlafplatz ist auch meistens drin. außerdem ist das ganze ding relativ stabil - wenn ich keine groben fehler mache, wird premium mir in einigen jahren wohl meinen lebensunterhalt einfahren können. Nachhaltigkeit, die sich bezahlt macht.insofern: der premium-ansatz kostet viel arbeit, aber er gibt eine menge zurück. trotzdem achte ich drauf, dass das ganze nicht zu sehr von mir abhängig ist - es gibt mittlerweile für jede teilfunktion mindestens ein backup, es gibt einen fallback-banklogin beim anwalt, es gibt ein testament ... nonkommerziell und trotzdem professionell, das ist so eine art mantra. wir haben auch schon ein paar anderen marken beim start geholfen oder mit ihnen im laufenden betrieb kooperiert, das würde sicher auch für dein getränk drin sein wenn du eins machst - na, wie wärs? :-)
was die harten fakten angeht, sieht der genaue betrachter hoffentlich schon unterschiede: cola ein dreivierteljahr nachdem es premium gab, vier limos für mehr umsatz (jetzt eine fünfte mit holunder-zusatz, holunder kennt man doch irgendwoher), etikett in vier sprachen mit barcode für scannerkassen, kaffeecola nachdem es hausmarke-limona.de gab, markenanmeldung fritz-mate nachdem flora power gestartet ist. reklame-schilder an läden, werbung mit einem hengstkopf-typen auf einer dame, das sind alles so sachen an denen man von außen schon erkennt was ich gerne diplomatisch sage: unsere ziele unterscheiden sich sehr, die fritzer machen ein ganz normales unternehmen. natürlich stößt es dann komisch auf, wenn sie sich werblich in eine linke ecke stellen (und das passende schild "nur wasserwerfer machen wacher" in der schanze) ohne dass substanz dahintersteckt. [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=dhvodnbabhY[/youtube] andererseits ist das "normales" werbeverhalten für ein unternehmen, die fritzer sind leider oft schneller als wir weil sie einen aktiven außendienst haben, größer als wir sind sie auch schon. aus der normalen VWL-sichtweise machen sie sicher vieles richtig und haben einiges abgeräumt, das muss man schon respektieren. an anderen stellen fällts uns schwer, es soll zb eine 0,2 l gastroflasche geben, die wir ökologisch uncool finden bei der relation menge <-> transport. je weiter die ihren weg gehen und wir unseren, desto größer wird ganz von selbst der unterschied, und desto klarer wird er hoffentlich auch gesehen. andere mitbewerber nehmen uns mangels größe kaum ernst, afri hält still, coca-cola bzw. deren rechtsabteilung war erstaunlich freundlich zu uns. flora-power und hermann-kola sind uns etwas besser bekannt, man hilft sich gegenseitig an ein paar ecken, so wie sichs halt gehört. hermann trennt dann zb (meistens, norbert, ich krieg das mit :-) und bietet premium-läden nur seine brausen an. generell denke ich, dass miteinander weiter führt als gegeneinander ...
Transparenz mit Schutzinteresse aller Beteiligten.
beides ist trotzdem nicht öffentlich, man braucht erst einen login, das hat unter anderem mit den schutzinteressen der partner zu tun - sonst könnten externe händler zb gucken, auf welchen wegen unsere händler = ihre mitbewerber so hantieren. wir wollen premium aber auch schützen, weil sonst fritz gucken könnte wieviel geld wir grad haben, und coca-cola sich eine liste der coolen läden ausdrucken in die sie sich einkaufen können ... nein danke. transparenz ist cool, aber sie hat auch grenzen, ganz wahnsinnig sind wir hoffentlich nicht. deine frage triffts aber, eigentlich wäre was zusätzliches öffentliches ganz nett. wir bauen grad an einem wiki weil das einige kollektivisten wollten, evtl kann man da einen komplett offenen bereich einbauen ... manche nichtöffentlichen sachen sind auch strategisch, es gibt zb nach wie vor keinen verlinkten aufruf uns neue bilder für die kunst-rückseiten zu schicken, weil der kurator fürchtet dass dann nur schrott kommt :-) generell kann man sagen, dass wir so viel transparenz wie möglich machen, aber eben nur bei beteiligten und den konsumenten, nicht nach außen. reinreden kann uns aber im prinzip jeder, meine nummer steht zb öffentlich im netz, was mir erst ziemlich unangenehm war aber andererseits bei jedem hersteller so sein sollte ...
"Selbst und es besser machen, das ändert was!"wir haben halt immer noch die irrationale hoffnung, dass menschen die sich schon keine gedanken über werbung machen die sie sehen, irgendwann anfangen sich zu fragen warum sie von premium keine sehen. dafür kann man uns sicher auslachen, es steckt aber auch ein fairness-gedanke dahinter: wenn du ein bier kaufst für zwei euro, willst du dann dass der hersteller 20 cent oder mehr davon verwendet um dir mit werbung auf den sack zu gehen oder irgendwelche sachen zu sponsorn? wir bekommen einmal pro woche anfragen lustigerweise, ausgerechnet wir :-) die meisten sind echt nett und meinen, gerade weil wir so anders ticken, ob wir nicht ein paar euro zu verschenken hätten. hä? wer anzeigen von großen unternehmen bustet ist da schon einen schritt weiter, aber auch der verschafft den großen nur weitere aufmerksamkeit - er will dekonstruieren, aber füttert noch systeme die seine meinung maximal für zielgruppen-targeting nutzen. widerstand gegen böse kapitalistische strukturen hab ich auch lange mit freuden betrieben, besonders von innen (als gelernter werbekaufmann) macht das eine menge spaß - es ändert aber am ende nichts, dafür sind die strukturen zu mächtig. also warum nicht einfach weglassen, so wie man ein grafisches logo weglässt als symbol dafür? konstruieren statt dekonstruieren, haha ...oder noch platter: auch wenns lange dauert - selbst und besser machen, das ändert was.
Weiterführende Links / Fotoquellen:
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| •Zuletzt aktualisiert am ••Dienstag•, den 13. •Juli• 2010 um 19:06 Uhr•• |


Hallo Uwe!
tag max ... mit "kurz" meinst du eine sms-version? :) premium ist auf den ersten blick nur eine cola ohne logo auf dem etikett, die in ganz bestimmten läden zu haben ist und die sonst kaum jemand kennt. wer sich die zutaten dann etwas genauer ansieht, findet aber zb "konsequenz" - und wer noch genauer nachguckt findet zb ein 




